{"id":186,"date":"2012-02-09T23:33:03","date_gmt":"2012-02-09T22:33:03","guid":{"rendered":"http:\/\/new.billys-reisen.de\/?page_id=186"},"modified":"2022-05-12T22:18:05","modified_gmt":"2022-05-12T20:18:05","slug":"jagbub","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/billys-reisen.de\/?page_id=186","title":{"rendered":"Die Wurzeln des Hasses &#8211; Warum ein Oasen-Kaff gegen Gaddafi aufbegehrt"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_762\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/billys-reisen.de\/?attachment_id=762\" rel=\"attachment wp-att-762\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-762\" class=\"size-medium wp-image-762\" title=\"tahrer 534\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/tahrer-534.jpg?resize=300%2C223\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/tahrer-534.jpg?resize=300%2C223 300w, https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/tahrer-534.jpg?resize=150%2C111 150w, https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/tahrer-534.jpg?resize=1024%2C763 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/tahrer-534.jpg?w=1280 1280w, https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/tahrer-534.jpg?w=1920 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-762\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Der Islam ist die einzig wahre Religion&#8220; &#8211; Imam Mohamed Nassieb, h\u00f6chster geistlicher W\u00fcrdentr\u00e4ger im W\u00fcsten-Nest Al Jahrbub (28.03.2011)<\/p><\/div>\n<p><strong>Ende M\u00e4rz 2011: <\/strong>Mit gewisser Ohnmacht scheint das Ausland auf den Beginn der Libyschen Revolution reagiert zu haben. \u00dcber Jahre f\u00fcr Ausl\u00e4nder sicher, hat sich das nordafrikanische Land mit dem 17. Februar 2011 \u00fcber Nacht in ein Kriegsgebiet verwandelt.<\/p>\n<p>Es wird gesagt, dass die Gaddafi-Familie und ihre Seilschaft das eigene Volk wie Auss\u00e4tzige in einem gro\u00dfen Gef\u00e4ngnis festgehalten habe. Die konkreten Geschichten von Gewaltverbrechen sto\u00dfen jedoch erst jetzt auf weltweites Interesse. Ein Fall, der die libysche Seele besonders verletzt haben d\u00fcrfte, ereignete sich einst fern aller aktuellen Kampfhandlungen: In der Oasenstadt Jahrbub.<\/p>\n<div id=\"attachment_187\" style=\"width: 393px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Senussi-Moschee_Jagbub.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-187\" class=\" wp-image-187\" title=\"Senussi-Moschee_Jagbub\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Senussi-Moschee_Jagbub.jpg?resize=383%2C262\" alt=\"\" width=\"383\" height=\"262\"><\/a><p id=\"caption-attachment-187\" class=\"wp-caption-text\">Jahrbub , 27.03.2011<br \/> 1984 lie\u00df Gaddafi als Reaktion auf eine Rebellion in Tripolis und Bengasi die Moschee des Imam Mohamed Senussi mit TNT sprengen. Wie ein Damoklesschwert lastet noch immer Trauer \u00fcber dem Ort.<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es sind fast 300 Kilometer Fahrt vom ost-libyschen Tobruk gen S\u00fcden, quer durch die Sahara. Alte Geb\u00e4ude und verrostete Z\u00e4une erinnern noch an die Anwesenheit der Kolonialmacht Italien von 1911 bis 1943. Wenige Beduinen treiben ihre Kamele durch die Landschaft. In der Kleinstadt leben nur 3.000 Einwohner. Flache Steinh\u00e4user, verstaubte Stra\u00dfen, eine Dattelplantage und ein paar Salzseen &#8230; Ansonsten nur Sand &#8211; bis zum Horizont.<\/p>\n<p>Und doch hat dieser Ort, der sich am 21. Februar friedlich von der Gaddafi-Herrschaft losgesagt hat, eine Geschichte zu erz\u00e4hlen: Ein 100 Meter weites Tr\u00fcmmerfeld im Zentrum bestimmt das Bild. Was ist hier geschehen?<\/p>\n<p>Imam Mohamed Nassieb, 75, demonstriert seine Trauer. Mit der rechten Hand wischt er sich durch die Augen. 1855 habe sein spirituelles Vorbild, Imam Mohamed Senussi, eine gewaltige Moschee in die W\u00fcste bauen lassen. Von hier soll der geb\u00fcrtige Algerier also mit der Remissionierung der ost-libyschen Cyrenaika begonnen haben. &#8220;Die Leute waren ungebildet und haben viele islamische Regeln nicht mehr befolgt&#8220;, sagt Nassieb.<\/p>\n<p>Der Enkel Idris Senussi, geboren in Jahrbub, setzte das Werk des ber\u00fchmten Gro\u00dfvaters fort &#8211; als K\u00f6nig aller Libyer. Seinem &#8222;freiwilligen Abtritt&#8220; nach 18 Jahren Regentschaft folgte der Milit\u00e4rputsch Muammar al Gaddafis im Jahr 1969.<\/p>\n<p>Der selbst ernannte Revolutionsf\u00fchrer setze der sufistischen Senussi-Bewegung die basisdemokratische und gleichheitsorientierte Ideologie des &#8222;Gr\u00fcnen Buchs&#8220; entgegen. Die Abneigung in der Cyrenaika gegen die neue Indoktrinierung nahm von Jahr zu Jahr zu. Auch, weil die Reden des Machthabers nichts mit der Realit\u00e4t gemein h\u00e4tten, hei\u00dft es hier immer wieder. 1984 sei es schon einmal zu Unruhen in Libyen gekommen &#8211; fernab, in den St\u00e4dten. Im spirituellen Zentrum des Senussi-Ordens w\u00e4re es dagegen ruhig geblieben. Doch der gereizte Diktator habe nach der Niederschlagung seine Form der Machtaus\u00fcbung demonstriert: Die Senussi-Moschee wurde demnach vor den Augen der Bev\u00f6lkerung in die Luft gesprengt &#8230; und Querdenker wie Imam Nassieb teils f\u00fcr Jahre ins Gef\u00e4ngnis verschleppt. &#8220;Ich weiss bis heute nicht, was ich verbrochen haben soll&#8220;, sagt der alte Mann, der f\u00fcr ein schnelles Ende des Regimes betet.<\/p>\n<p>Jahrbubs B\u00fcrgermeister Mohamed Scharif, 64, hat den \u00dcbergang zur Rebellion mit organisiert. &#8220;Niemand bei uns mochte Gaddafi &#8211; auch nicht die Scheichs und Polizisten.&#8220; Er ruht auf dem Teppichboden des Wohnzimmers und raucht seine Zigarette ohne jede Emotion. F\u00fcr ihn ist klar, dass Gaddafi jegliche Berechtigung zur Regierungsf\u00fchrung verloren hat. &#8220;Wer eine Moschee vernichtet und seine eigenen Leute t\u00f6tet, vertritt nicht das libysche Volk. Wir sind gl\u00e4ubige Muslime &#8211; Gaddafi nicht.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Anmerkungen Juni 2012: <\/strong>Dieser Bericht ist gepr\u00e4gt von den Erz\u00e4hlungen der Leute in Ost-Libyen. Wie ich erst sp\u00e4ter erfuhr, gibt es in anderen Landesteilen viele Libyer, welche die Ereignisse in Al Jahrbub nicht kennen &#8211; und sich daf\u00fcr auch nicht interessieren. Vor allem im westlichen Tripolitanien und im s\u00fcdwestlichen Fessan hatte Gaddafi zum Zeitpunkt des 2011er Aufstandes auch viele Anh\u00e4nger. Es steht zu vermuten, dass diese die Senussia-Bewegung eher als politische Feinde ablehnen. Und noch etwas musste ich dazu lernen: Tats\u00e4chlich hatte Gaddafi auch vielen Gegnern die Ausreise ins Exil gestattet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende M\u00e4rz 2011: Mit gewisser Ohnmacht scheint das Ausland auf den Beginn der Libyschen Revolution reagiert zu haben. \u00dcber Jahre f\u00fcr Ausl\u00e4nder sicher, hat sich das nordafrikanische Land mit dem 17. Februar 2011 \u00fcber Nacht in ein Kriegsgebiet verwandelt. 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