{"id":1530,"date":"2012-07-02T04:03:00","date_gmt":"2012-07-02T03:03:00","guid":{"rendered":"http:\/\/billys-reisen.de\/?page_id=1530"},"modified":"2022-05-12T22:38:48","modified_gmt":"2022-05-12T20:38:48","slug":"schattenmanner-in-der-wuste-gaddafis-funfte-kolonne-in-al-kufrah","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/billys-reisen.de\/?page_id=1530","title":{"rendered":"Schattenm\u00e4nner in der W\u00fcste &#8211; Gaddafis F\u00fcnfte Kolonne in Al Kufrah"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_1544\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/DSCI2124.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1544\" class=\"size-large wp-image-1544\" title=\"DSCI2124\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/DSCI2124.jpg?resize=640%2C480\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/DSCI2124.jpg?resize=1024%2C768 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/DSCI2124.jpg?resize=150%2C112 150w, https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/DSCI2124.jpg?resize=300%2C225 300w, https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/DSCI2124.jpg?w=1280 1280w, https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/DSCI2124.jpg?w=1920 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1544\" class=\"wp-caption-text\">Keine vom Aussterben bedrohte Spezies &#8230; Anh\u00e4nger von Muammar al Gaddafi (11.07.2011)<\/p><\/div>\n<p>Libyens Ende. Rein geografisch. S\u00fcdlicher als in Tullab, einer der 4<br \/>\nKufrah-Oasen, wohnt niemand mehr. Nicht mal die faustgro\u00dfen<br \/>\nSkorpione. Am Rande der weiten W\u00fcste scheint die Zeit stehen<br \/>\ngeblieben. Die Zufahrtstra\u00dfe ist so verwittert, dass Gel\u00e4ndewagen<br \/>\nlieber durch den Sand preschen. Und ausgerechnet hier weht sie noch:<br \/>\nDie gr\u00fcne Flagge Muammar al Gaddafis.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>+ In Kufrah ist man sich nicht gr\u00fcn +<\/strong><\/p>\n<p>Das mit gleich mehreren Staatsfahnen geschm\u00fcckte Einfamilienhaus ist<br \/>\nnicht mehr als ein einfacher Steinbau mit Holzbrettverschl\u00e4gen. Nachfahren schwarzafrikanischer Sklaven leben darin &#8211; aber zugeh\u00f6rig f\u00fchlen sie&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; sich dem arabischen Sway-Klan. <span style=\"text-decoration: underline;\">Pl\u00f6tzlich<\/span>: Das Quietschen<br \/>\neiner T\u00fcr. 4 Frauen und 3 M\u00e4dchen treten nach drau\u00dfen. <em>&#8222;Allah,<\/em><br \/>\n<em>Muammar, Libyen &#8211; sonst nichts&#8220;<\/em>, skandieren sie, die F\u00e4uste gen Himmel<br \/>\ngereckt. Beinahe witzig. Doch pl\u00f6tzlich greifen sie nach Steinen. Das<br \/>\nGekreische und der Hagel an Wurfgeschossen und Dreck kann nur eines<br \/>\nbedeuten: Westliche Ausl\u00e4nder mag man hier offenbar nicht besonders &#8230;<br \/>\nSchon l\u00e4ngst auf dem R\u00fcckweg, haben auch noch die M\u00e4nner des Hauses&nbsp; &nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; die Verfolgung aufgenommen. Wieso man ihre Frauen bel\u00e4stige,<br \/>\nereifern sie sich. Rebellen kl\u00e4ren die Situation. <em>&#8222;Wir k\u00f6nnen gegen<\/em><br \/>\n<em>solche Menschen nichts machen&#8220;<\/em>, sagen sie anschlie\u00dfend. <em>&#8222;Sie sind nun<\/em><br \/>\n<em>mal unsere Br\u00fcder.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em><\/em>Den Pro-Gaddafi-Parolen an einigen Mauern in der Hauptoase Juhf zu<br \/>\nurteilen, spielen noch ganz andere Beweggr\u00fcnde eine Rolle: Ein Teil der<br \/>\nsonst erkl\u00e4rterma\u00dfen aufm\u00fcpfigen Oasen-Bev\u00f6lkerung ist gegen die<br \/>\nRebellion. Vielleicht auch nur, um sich von verfeindeten Familien<br \/>\nabzugrenzen. Aber gen\u00fcgend Sprengstoff ist das allemal. Viele der<br \/>\nSklaven-Nachfahren hielten Gaddafi f\u00fcr ihren Befreier, ist zu<br \/>\nvernehmen. Tats\u00e4chlich waren es die Italiener, die ab 1911 dem<br \/>\nMenschenhandel durch die arabischen Sway und den kaffeebraunen Tobou<br \/>\nein Ende bereiteten.<\/p>\n<p><em>&#8222;Tabuhr Hams&#8220;<\/em>, die &#8222;F\u00fcnfte Kolonne&#8220;, so nennen die Rebellen im<br \/>\ngesamten Osten Libyens die heimlichen Helfer des Regimes. Sie seien<br \/>\nverantwortlich f\u00fcr den Bombenanschlag aufs &#8222;Tibesty Hotel&#8220; in Bengasi<br \/>\noder die Raketenangriffe auf General Szagar Adam in Tobruk vor einigen<br \/>\nWochen. Aber sind es wirklich nur skrupellose Schl\u00e4fer oder durchgedrehte&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; W\u00fcsten-Fanatiker?<\/p>\n<p><strong>+ Frust, aber keine Aktivit\u00e4t +<\/strong><\/p>\n<p>Nahe einer verfallenen Mangofarm wohnen mehrere Angeh\u00f6rige des<br \/>\nwei\u00dfen Sway-Klans. <em>&#8222;Wir hatten Geld, Klimaanlagen, kaltes Wasser und<\/em><br \/>\n<em>gutes Essen &#8211; aber seit Februar haben wir nichts mehr&#8220;<\/em>, regen sie sich<br \/>\nauf. Die Posten bei Polizei und Feuerwehr h\u00e4tten sie verloren, als sich<br \/>\nalles \u00e4nderte. <em>&#8222;Die Rebellen sind doch R\u00e4uber&#8220;<\/em>, meinen die M\u00e4nner und<br \/>\nkritisieren die Demontage technischer Ger\u00e4te aus \u00f6ffentlichen<br \/>\nGeb\u00e4uden und Firmenanlagen. Sie seien schuld am Kollaps der<br \/>\nStromversorgung in der s\u00fcd\u00f6stlichen W\u00fcste. <em>&#8222;Wenn unsere neuen<\/em><br \/>\n<em>M\u00f6chtegern-Herren sich weiterhin mit Drogen und Alkohol volllaufen<\/em><br \/>\n<em>lassen und wahllos in der Gegend rumschie\u00dfen, flie\u00dft hier bald Blut.&#8220;<\/em><br \/>\nGro\u00dfe T\u00f6ne f\u00fcr eine Verlierertruppe.<\/p>\n<p>Ein Anderer ist da weitaus ruhiger: Der Chef der nun verbotenen<br \/>\n&#8222;Revolutionslegion&#8220; des Muammar Gaddafi sitzt vor seinem grossen Haus<br \/>\nim Juhf-Stadtteil &#8222;Sawijah-Harah Tobou&#8220;. <span style=\"text-decoration: underline;\">Jummah Mali al Tobawieh<\/span>,<br \/>\nAngeh\u00f6riger der doch eigentlich so &#8222;unterdr\u00fcckten&#8220; Tobou-Minderheit,<br \/>\nist ein \u00e4lterer Mann in wei\u00dfer arabischer Tracht. Beinahe ein Zwerg.<br \/>\nKaum zu glauben, dass bis heute noch alle Angst vor ihm haben. Selbst<br \/>\nRebellenvertreter verbeugen sich ehrf\u00fcrchtig. Fr\u00fcher habe er nicht<br \/>\nWenige mit seinen Berichten hinter Schloss und Riegel gebracht, hei\u00dft<br \/>\nes hinter vorgehaltener Hand. Gegen\u00fcber ausl\u00e4ndischen Reportern<br \/>\nverleumdet er sich selbst. Ein junger &#8222;Legion\u00e4r&#8220; erscheint, um Mimik und<br \/>\nGestik des Chefs zu erl\u00e4utern. <em>&#8222;Die NATO richtet einen Genozid in<\/em><br \/>\n<em>Libyen an. Warum t\u00f6tet Ihr unsere Kinder?&#8220;<\/em> Der junge Mann mit Namen<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Hamed Tschaimy<\/span> hat Schwei\u00dfperlen auf der Stirn, die Augen quellen<br \/>\nhervor. Zeigefinger gen Himmel. <span style=\"text-decoration: underline;\">Jummah Mali<\/span> grinst zufrieden. Alle<br \/>\nErz\u00e4hlungen, Gaddafi f\u00fchre einen Krieg gegen das eigene Volk, wischt<br \/>\ner beiseite. <em>&#8222;Macht doch eine freie Wahl &#8211; der Revolutionsf\u00fchrer wird<\/em><br \/>\n<em>jedes Ergebnis akzeptieren&#8220;<\/em>, meint er entschlossen. Die Rebellion sei von<br \/>\nau\u00dfen gesteuert. Es gehe um die Reicht\u00fcmer Libyens und die<br \/>\nAufweichung der starken islamischen Kultur zugunsten des <em>&#8222;dekadenten<\/em><br \/>\n<em>Kapitalismus&#8220;<\/em>.<\/p>\n<p>Die gestellten Fragen werden nicht einmal beantwortet. Gegenfragen und<br \/>\nParolen, das Gespr\u00e4ch l\u00e4uft nicht anders als jene Unterredung mit<br \/>\nMuammar Gaddafi selbst. Damals, am 28.09.2009 durch den CNN-Star<br \/>\nLarry King. Aber immerhin eines wird deutlich unter der gl\u00fchenden<br \/>\nSonne der Sahara: Wenn es selbst hier, im Rebellengebiet, noch so viele<br \/>\nBef\u00fcrworter des Diktators gibt &#8211; um wie viel st\u00e4rker d\u00fcrfte seine<br \/>\nPosition dann in den &#8222;gr\u00fcnen W\u00fcsten-Hochburgen&#8220; von Sirt und Sabha<br \/>\nsein? Dar\u00fcber k\u00f6nnen auch die j\u00fcngst verk\u00fcndeten Erfolge der<br \/>\nRebellen nicht hinwegt\u00e4uschen: Die nun f\u00fcr erobert erkl\u00e4rten<br \/>\nSt\u00e4dte Sawijah, Suara, Garjan (Tripolitanien), Mursuk (Fessan) und<br \/>\nBrega (Cyrenaika) waren schon einmal in ihrer Hand. Damals, Ende<br \/>\nFebruar 2011, als alles begann.<\/p>\n<p>Eine \u00dcberraschung hat der junge Gaddafi-Eiferer <span style=\"text-decoration: underline;\">Hamed Tschaimy<\/span> dann<br \/>\ndoch noch zu bieten: <em>&#8222;Ihr Deutschen seid gut, Ihr f\u00fchrt keinen Krieg<\/em><br \/>\n<em>gegen uns. Aber Briten und Franzosen &#8211; wir hassen sie so sehr!&#8220;<\/em> Er<br \/>\nverzerrt das Gesicht:<em> &#8222;Am Liebsten w\u00fcrde ich mich dort in die Luft<\/em><br \/>\n<em>sprengen.&#8220;<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_1545\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/DSCI1862.jpg\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1545\" class=\"size-large wp-image-1545\" title=\"DSCI1862\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/DSCI1862.jpg?resize=640%2C480\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/DSCI1862.jpg?resize=1024%2C768 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/DSCI1862.jpg?resize=150%2C112 150w, https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/DSCI1862.jpg?resize=300%2C225 300w, https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/DSCI1862.jpg?w=1280 1280w, https:\/\/i0.wp.com\/billys-reisen.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/DSCI1862.jpg?w=1920 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1545\" class=\"wp-caption-text\">Nie zu sicher f\u00fchlen &#8230; gerade die kleinen &#8222;Wadenbei\u00dfer&#8220; k\u00f6nnen f\u00fcr \u00c4rger sorgen (07.07.2011)<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Libyens Ende. 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